Nickelbasis-Superlegierungen:
Nickelbasis-Superlegierungen sind Werkstoffe, die zu fast zwei Dritteln aus Nickel bestehen. Sie sind typischerweise mit einer hohen Zahl von Zusatzelementen legiert, die eine, für diese Metalle kennzeichnende, netzartige Mikrostruktur ermöglichen. Sie werden mit verschiedenen Verfahren hergestellt, darunter Gießen (auch als Einkristalle), Schmieden, Pulververfahren, additive Fertigung und Spritzgießen.
Nickelbasis-Superlegierungen als Einkristallvarianten:
Sie werden durch spezielle Gussverfahren ohne Korngrenzen, also als ein durchgehender Kristall, hergestellt. Sie verhalten sich deshalb anisotrop – bedeutet: in verschiedene Richtungen unterschiedlich. Typischerweise sind sie für den Einsatz bei höchsten Temperaturen vorgesehen und müssen deshalb durch Schichten geschützt werden. Ihre Eigenschaften verdanken sie zudem einigen besonders teuren und schweren Legierungselementen.
Titanlegierungen:
Hauptbestandteil von Titanlegierungen ist Titan. Mit den im Triebwerksbau zugesetzten Legierungselementen und durch die Wahl der Herstellparameter können sehr unterschiedliche, typischerweise lamellenförmig oder globular erscheinende Mikrostrukturen mit unterschiedlichen Vorteilen erstellt werden. Dabei spielen die Anteile und Formen der beteiligten mikroskopischen Phasen die entscheidende Rolle. Titan ist zwar ein häufig vorkommendes Element der Erdkruste, verbindet sich aber gerne mit Sauerstoff. Das verteuert die Gewinnung reinen Titans und ist in der Herstellung und im Betrieb zu beachten. Die für Titanlegierungen verwendeten Herstellverfahren sind dieselben, wie auch die bei den Nickellegierungen erwähnten, mit Ausnahme des Einkristallgusses.
Pulvermetallurgische Werkstoffe:
Bei der Pulvermetallurgie werden aus der Schmelze durch Verdüsen Pulverpartikel erzeugt. Sie werden in der Luftfahrt mit verschiedenen Verfahren, wie Heiß-Isostatisches Pressen (HIP) und anschließendem Schmieden, additivem Aufbau (AM) oder Metallformspritzen (MIM) zum Bauteil weiter verarbeitet. Als chemische Zusammensetzungen kommen verschiedene der bereits beschriebenen Metalle oder deren Modifikationen in Frage.
Additiv hergestellte Werkstoffe:
Bei der additiven Bauteilherstellung wird Material sukzessive positioniert und mit dem schon vorhandenen Material verbunden. Das kann etwa durch Aufschmelzen von Draht oder Pulverpartikeln mittels Laser oder Elektronenstrahl erfolgen und erfordert besonderes Augenmerk auf die Qualitätssicherung. Die verwendeten Werkstoffe decken ein breites Spektrum ab – darunter vor allem die bereits beschriebenen Metalle, für Demonstrationszwecke auch Kunststoffe.
Faserverstärkte Kunststoffe (Verbundwerkstoffe):
Faserverstärkte Kunststoffe sind sogenannte Verbundmaterialien, das heißt sie be-stehen aus zwei völlig unterschiedlichen Komponenten. Dabei werden hochfeste Fasern aus verschiedenen Werkstoffen, etwa Kohlenstoff, die in verschiedener Weise miteinander verwebt wurden, in eine Matrix aus Kunststoff (Polymere) eingebettet. Diese Werkstoffe haben eine ausgeprägte Richtungsabhängigkeit und sind trotz ihrer komplexen Herstelltechnik meist nicht teurer als die alternativen, metallischen Sonderwerkstoffe im Triebwerk.
Schichten (Funktionswerkstoffe):
Die Beschichtungen in Triebwerken zeichnen sich durch eine besonders große Vielfalt bezüglich Werkstoff, Herstellverfahren, Struktur und Funktion aus. So werden Kunststoffe, Metalle und Keramiken zum Teil miteinander verwendet. Die Schichten werden eindiffundiert, aufgespritzt, aufgedampft oder halbflüssig aufgebracht; sie sehen im Mikroskop homogen oder stark strukturiert aus. Mehr als 60 Prozent der Triebwerksbauteile sind beschichtet.
Werkstoffsimulationen:
Unter Werkstoffsimulationen sind alle computergestützten Analysen zur Entstehung eines Werkstoffes und zur Beschreibung seiner Eigenschaften zu verstehen. Da das Materialverhalten durch eine Kombination der Strukturen in verschiedenen, mikroskopischen Größenskalen – bis hin zu den Atomen – bestimmt wird, bedarf es auch unterschiedlicher mathematisch-physikalischer Methoden. Ihre Weiterentwicklung ist heute noch sehr dynamisch, nicht zuletzt wegen der Vielfalt an Werkstoffklassen und großer Rechenzeiten. Begrifflich sind Werkstoffsimulationen Teil der digitalen Werkstofftechnik und werden wegen ihrer Verknüpfung von Chemie und Herstellverfahren auch dem ICME (Integrated Materials and Manufacturing Engineering) zugerechnet.