Seit mehreren Jahrzehnten sind vor allem metallische Werkstoffe, wie Nickel und Titan, fester Bestandteil von Bauteilen in Triebwerken. Die altbewährten Materialien werden stetig weiter optimiert, mit dem Ziel, Triebwerke noch leichter und sparsamer zu machen.
Für die zweite Generation Getriebefan, die Anfang nächster Dekade abheben soll, und im zukünftigen militärischen Antrieb Next European Fighter Engine (kurz: NEFE) müssen die Bauteile noch hitzebeständiger, leichter und langlebiger werden. Außerdem sollen die Werkstoffe noch robuster in Herstellung und Betrieb werden. Hier rücken daher verbesserte Nickel-Superlegierungen und Beschichtungen, Herstellprozesse wie Einkristallguss und pulvermetallurgische Verfahren sowie additive Fertigung und Materialien wie faserverstärkte Werkstoffe stärker in den Fokus. Sie helfen das Gewicht zu reduzieren und erlauben gleichzeitig erhöhte Lebensdauern bei erhöhten Anwendungstemperaturen.
In zivilen Triebwerken liegen die zukünftigen Herausforderungen zudem in ganz neuen Atmosphären, in denen sich die Bauteile befinden. Bei dem MTU-Konzept Water-Enhanced Turbofan, einer Fluggasturbine mit Energierückgewinnung und nasser Verbrennung, ebenso wie bei der Wasserstoff-Direktverbrennung, sind die Bauteile einer in hohem Maße wasserdampfhaltigen Umgebung ausgesetzt und kommen mit mehr molekularem Wasserstoff als bei konventionellen Fluggasturbinen in Kontakt. Hier sind also spezielle Beschichtungen gefragt, die die Werkstoffe vor beschleunigter Oxidation sowie Korrosion und Versprödung ausreichend schützen. Bei der Flying Fuel Cell (FFC), einem weiteren revolutionären Antriebskonzept der MTU, müssen zusätzlich für den Triebwerksbau gänzlich neue Werkstoffe mit neuen Funktionen eingesetzt werden. Dies machen neuartige Komponenten wie Wasserstoff-Brennstoffzellen, Kühlsysteme und Hochleistungs-Elektromotoren samt ausgeklügelter Leistungselektronik für das Antriebssystem notwendig. Durch den elektrifizierten Antriebsstrang spielen hier etwa Funktionswerkstoffe mit spezifischen elektrisch-chemisch-magnetischen und katalytischen Eigenschaften eine große Rolle.
Um den Aufwand für die notwendigen Entwicklungen zu reduzieren, die Materialien stetig zu optimieren und um bei Qualitätsbewertungen effizienter zu werden, ist der Einsatz weiter verbesserter Computersimulationen unerlässlich.
Die wichtigsten Werkstoffe und zugehörige Methoden in Triebwerken – bereits im Einsatz oder noch Zukunftsmusik – stellt der AEROREPORT hier vor.