Wenn im Jahr 1927 ein deutsches Unternehmen mit einer amerikanischen Firma ein Geschäft einfädeln wollte, stiegen die Manager dafür nicht einfach in einen Flieger. Der erste Nonstop-Transatlantikflug war gerade erst gelungen, an Passagierflüge auf dieser Strecke war noch gar nicht zu denken. Einen Lizenzvertrag auszuhandeln und von beiden Seiten unterschreiben zu lassen, bedeutete mehrfache Fahrten über den Atlantik mit dem Dampfschiff. Die Reisedauer einfach: rund drei Wochen. Im Jahr 1927 müssen dies Vertreter von Pratt & Whitney, Hartford/Connecticut, und der Bayerischen Motoren-Werke AG, München/Bayern, mehrfach auf sich genommen haben. Kein Geringerer als Max Friz selbst, legendärer Chefkonstrukteur von BMW, trieb die Verhandlungen maßgeblich voran.
Lizenzvertrag, ausgefertigt am 3. Januar 1928
Tatsächlich gab es einen Lizenzvertrag zwischen den beiden Unternehmen, nach der Type zu urteilen auf einer amerikanischen Schreibmaschine erstellt, mit vier Unterschriften und dem Stempel der BMW AG in Frakturschrift, ausgefertigt am 3. Januar 1928. Damit begann bereits die gemeinsame Geschichte von Pratt & Whitney und der heutigen MTU, Rechtsnachfolgerin der 1934 ausgegründeten BMW Flugmotorenbau GmbH. BMW wollte moderne, luftgekühlte Flugmotoren bauen und erwarb von Pratt & Whitney die Europa-Lizenz für den Nachbau der Sternflugmotoren „Wasp“ und „Hornet“. Die berühmte Junkers Ju-52 flog mit davon abgeleiteten BMW 132-Motoren.