Das Rennen der Stratosphären-Gleiter: immer länger, immer höher
Mehr als ein Dutzend Mal sind hochfliegende Plattformen bereits in die Stratosphäre vorgedrungen. Den Langzeitrekord für eine erfolgreiche Mission hält bisher Airbus: 26 Tage dauerte der Flug der Zephyr-S. Das unbemannte solarelektrisch getriebene Flugzeug war am 6. August 2018 in Arizona gestartet und kehrte am Ende der Mission sicher zur Erde zurück. Der Rekord wurde 2022 durch eines der Nachfolgemodelle, die Zephyr-8, zwar gebrochen – die Plattform kreiste volle 64 Tage in der Stratosphäre –, sie stürzte am Ende aber ab. Den Weltrekord für maximale Höhe erreichte die NASA 2001 mit der solarenergiebetriebenen HAP Helios. Der riesige mit Solarzellen bestückte Flügel, der 580 Kilogramm wog und von 14 Elektromotoren angetrieben wurde, stieg bis auf 29.413 Meter.
Angetrieben wird das Rennen um immer längere und höhere Flüge von der Vision, eines Tages mit einem Netzwerk hochfliegender Plattformen die Erdbeobachtung zu revolutionieren. Bisher sind Geodäten, Glaziologen, Klimaforscherinnen und Katastrophenschützer auf Flugzeug- oder satellitengestützte Messungen angewiesen, wenn sie beispielsweise nach Lecks in Pipelines suchen, wenn sie herausfinden wollen, wie sich Wetterfronten oder Waldbrände ausbreiten, oder wie dick das Eis auf Schifffahrtswegen ist, wie schnell Gletscher kalben, wie sich die Luftqualität in bestimmten Regionen der Erde verändert oder wohin Tierherden ziehen.
Doch die Beobachtungszeit ist begrenzt: Flugzeuge können nicht länger als ein paar Stunden über einem Ort kreisen und die meisten Satelliten, die in der Fernerkundung eingesetzt werden, sind nicht geostationär, das heißt, sie bewegen sich relativ zur Erde und können daher ihren Fokus nur begrenzte Zeit auf einen bestimmten Ort richten. Detaillierte Langzeitmessungen sind daher schwer zu bekommen. Unbemannte solarelektrische Flugzeuge könnten diese Lücke füllen: Sie sind in der Lage, tage- und wochenlang über einer Region zu kreisen, Daten zu sammeln und zur Erde zu schicken.
Auch für die Telekommunikation eröffnen High Altitude Plattformen neue Möglichkeiten. Durch ihre enorme Flughöhe sind HAPs in der Lage, Funkkontakt zu großen Gebieten herzustellen. Der NASA Sunglider beispielsweise, ein von zehn Elektromotoren angetriebenes Solarflugzeug, das einem gigantischen Flügel gleicht, kann eine Fläche von 200 Quadratkilometer abdecken. Damit sind HAPs eine interessante Alternative zur satellitengestützten Telekommunikation.