Mit dieser Weltklasse-Niederdruckturbine bewegt sich die MTU heute in einer eigenen Liga. Aber auch diese Ausnahme-Turbine kann man noch verbessern. „Mit neuen Werkstoffen, noch leistungsfähigeren Computersimulationen und nochmals optimierter Aerodynamik arbeiten wir bereits an einer neuen Niederdruckturbinen-Generation“, sagt Stephan Bock. Weltweit wird diese Technologie in der Serie nur von der MTU beherrscht. Der lange Atem und die Akribie bei der Entwicklung hat sich auch für die MTU gelohnt: Das gemeinsam mit Pratt & Whitney entwickelte Getriebefan-Konzept ist nicht nur ein technologischer Quantensprung sondern auch auf dem Markt ein großer Erfolg: Airbus bietet den GTF heute für die A320neo-Familie und die A220 (ehemals Bombardier C-Series) an, Mitsubishi hat das Triebwerk exklusiv für seinen Regional-Jet SpaceJet ausgewählt und Embraer treibt die neuen E-Jets der Familien E-170 und E-190 damit an. Und auch Irkut wird seine MC-21 mit dem GTF ausstatten. Derzeit kann Pratt & Whitney weltweit insgesamt über 10.000 Bestellungen und Optionen für Getriebefan-Antriebe verzeichnen.
In die aktuelle GTF-Version hielten bereits MTU-Innovationen Einzug: zum Beispiel die ersten additiv gefertigten Bauteile, sogenannte Boroskopaugen, sowie Bürstendichtungen. Letztere verbessern zusammen mit neuen Blisk-Verdichterstufen die Performance des Hochdruckverdichters. „Die bisherigen technologischen Entwicklungen und Erfolge machen uns natürlich stolz“, sagt Dr. Martin Stadlbauer, Leiter Vorauslegung zivile und militärische Programme. So konnten durch die GTF-Technologie bis heute mehr als fünf Millionen Tonnen CO2-Ausstoß vermieden werden. „Aber wir müssen und können künftig noch mehr Einsparungen und Verbesserungen erzielen“, so Stadlbauer. Die kommende GTF-Generation, deren Markteinführung die MTU ab Anfang der nächsten Dekade erwartet, soll noch einmal bis zu zehn Prozent Einsparungen bei Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen bringen. Dazu könnte das Fan-Druckverhältnis weiter reduziert und das Bypass-Verhältnis in den kommenden Jahren weiter erhöht werden – von derzeit 12:1 bis in einer Größenordnung von 15:1.
Zudem arbeiten die MTU-Ingenieur:innen daran, den thermischen Wirkungsgrad des Kerntriebwerks durch höhere Druckverhältnisse weiter zu verbessern, wofür die Wirkungsgrade von Niederdruckturbine und Hochdruckverdichter noch einmal nach oben getrieben werden. „Neue virtuelle Auslegungsverfahren und Simulations-Tools sorgen dafür, dass wir die Geschwindigkeit bei den nötigen Entwicklungen erhöhen können und gleichzeitig die Kosten reduzieren“, sagt Stadlbauer.