Zurück in den Shop. Zum Abschluss einer jeden Instandhaltung kommt das Triebwerk auf den Prüfstand. Frank Reimchen, Arbeitsplaner am Prüfstand der MTU Maintenance Hannover, geht auf eine kleine Zeitreise in die 1990er Jahre: Bei einem Prüflauf „fuhren“ damals zwei Mechaniker das Triebwerk. Ein Mitarbeiter vom Engineering und einer von der Qualitätssicherung achteten auf die Messwerte. Die 30 wichtigsten Werte zeigte ein Monitor monochrom grün an.
Über eine klobige Eingabekonsole steuerte ein Teammitglied den Messrechner. Den zeitlichen Verlauf bestimmter Werte zeichnete ein 8-Kanal-Linienschreiber auf. Wollte man andere Werte, musste man Kabel umstöpseln und das Gerät neu eichen. „Unser damaliger Qualitätsingenieur, Hans Holpert, traute dem Messrechner nicht ganz. Er rechnete deshalb oft während eines Laufes die Performance mit dem Taschenrechner nach. Die Formeln hatte er alle im Kopf. Unglaublich.“
Um die Jahrtausendwende wurde ein Prüflauf nur noch zu dritt durchgeführt. Das machte vor allem die rasante Entwicklung der Mess- und Computertechnik möglich. Die Prüftechniker sahen nun auf acht Farbmonitoren alle relevanten Werte auf einen Blick. Den zeitlichen Verlauf speicherte das System viermal pro Sekunde automatisch im „History Buffer“. Das moderne System zeigte die Messwerte nun automatisch im Band der Grenzwerte an.
Und heute? Aktuelle Triebwerke sind Hochleistungscomputer, die sekündlich aus unzähligen Messfühlern viele Megabyte an Daten liefern. Reimchen: „Das RB211 war ganz analog, 1989 kamen das PW2000 und V2500. Diese Triebwerke lieferten pro Sekunde über zwei Datenleitungen je 12,5 Kilobyte. Das moderne PW1100G-JM hat drei Ethernet-Leitungen mit je 100 Megabit pro Sekunde.“
Bereits 2007 investierte die MTU Maintenance Hannover in eine neue Testzelle. Das Großtriebwerk GE90 mit seinen 115.000 Pfund Schub stand dabei im Fokus. Die Testzelle wurde mit Weitsicht gebaut und gleich auf 150.000 Pfund Schub ausgelegt. Auch die MTU Maintenance Zhuhai ist mit ihrer Testkompetenz ganz weit vorn und kann auf ihrem hochmodernen Prüfstand ebenfalls Triebwerke bis zu 150.000 Pfund Schub testen.
Und wie schaut die Zukunft aus? Computersimulationen entwickeln sich rasant, einzelne virtuelle Triebwerkstests sind möglich. Aber die werden in absehbarer Zeit eine Testzelle nicht ersetzen. Deshalb kommt auch bei EME Aero – einem Joint Venture mit Lufthansa Technik, das 2020 an den Start geht – jedes Triebwerk auf den Prüfstand. Im polnischen Aviation Valley nahe des Flughafens von Rzeszów entsteht aktuell eines der größten und fortschrittlichsten MRO-Servicezentren für die Getriebefan‑Triebwerke der P&W GTF-Triebwerksfamilie. Und auch der Prüfstand wird neue Maßstäbe setzen.