Mit Triebwerken wie dem Tyne stellte die MTU Schritt für Schritt Augenhöhe mit den internationalen Triebwerksherstellern her.
„Was die Betreiber am Tyne vor allem geschätzt haben: deren unglaubliche Robustheit“, erzählt Knoll. „Da gibt’s Teile, die kriegt man einfach nicht so schnell kaputt. Und nur weil mal irgendwo ein paar Öltropfen austreten, muss man das Triebwerk auch nicht sofort abschalten.“ Wenn doch? „Dann ist das Problem meistens auch schnell gefunden und schnell wieder gelöst.“
Sage und schreibe 928 MTU-Modifikationen hat das Tyne Knoll zufolge in den Büchern stehen. „Das Tyne war für die MTU ein ständiger Erprobungsträger, der in einem echt rauen Umfeld, also hot-and-high und sand-and-dust flog. Was für ein Glücksfall!“ 73 Weiterentwicklungs- und Verbesserungsprogramme setzte die MTU um. „Eines der umfangreichsten war sicherlich die Wasser-Methanol-Einspritzung für eine Extraportion Schub.“
Viel wichtiger ist aus Knolls Sicht aber etwas anderes. „Schritt für Schritt konnte die MTU mit militärischen Lizenzprogrammen wie Tyne, J79 und T64 Augenhöhe mit internationalen Triebwerksherstellern herstellen.“ Das wiederum habe die Tür geöffnet, bei Konsortium-Entwicklungen wie dem RB199 (Panavia Tornado), MTR390 (Eurocopter Tiger), EJ200 (Eurofighter Typhoon) und TP400-D6 (Airbus A400M) an Bord zu kommen.
Im September wird das Tyne-Mastertriebwerk zum letzten kompletten Korrelationslauf starten – fast 55 Jahre nach dem offiziellen Abnahmelauf am 18. November 1966 auf dem einstigen Prüfstand der MAN Turbo, der Vorgängergesellschaft der MTU.
Mit dem Neujahrsfeuerwerk gehen die Tyne-Lichter aus, dann bleibt noch die Erinnerung. Oder ein Streifzug durch den Außenbereich des MTU-Museums. Seit dem Frühjahr 2020 steht dort der Propeller einer Transall. Seriennummer D-103, taktisches Kennzeichen 50+66, Indienststellung 16. April 1971. Mitglieder der „Freunde der MTU-Triebwerkstechnik“ hatten das restauriert. Der Mann, der alles organisierte: Christian Knoll.